Auf dem Einhorn durchs Valle de Viñales

Nach 3 Tagen Havanna kehren wir dem Trubel der Großstadt den Rücken zu und ersetzen es durch Landluft und Ruhe, im grünen Valle de Viñales, im Westen Kubas. Hier erwarten uns nicht nur Tabakpflanzen und Kaffeeplantagen, etliche freilaufende Schweine und unglaublich herzliche Menschen, sondern auch die ersten vorsichtigen Salsaschritte.
Ich stelle fest, beim Salsa besteht Übungsbedarf. Akuter Übungsbedarf. Die Kubaner äußern vorsichtig, Rhythmusgefühl wäre ja theoretisch vorhanden, an den Schritten müsse man aber noch feilen. Das sollte machbar sein, denke ich mir, grinse und lege einen Freestyle hin. Macht mir ohnehin mehr Spaß. Führen lassen… Pah! Das wird doch überschätzt. Selbst ist die Frau! Naja ok, zumindest beim Tanzen. Bei der geplanten Tour durchs riesige Valle de Viñales entscheiden wir uns dann doch dazu, uns einem Führer anzuschließen.
Das Tal ist riesig, die Wege sind weit und wir haben einen Guide. Das reimt sich und was sich reimt ist bekanntlich gut. Adrian kennt die Umgebung wie seine rechte Jackentasche UND er hat ein Einhorn. Mein Herz schmilzt dahin, es ist Liebe auf den ersten Blick. Das Travelling Unicorn ist am Ziel der langen Reise angekommen. Damit meine ich ganz poetisch meine eigene Lebensreise, in Kuba sind wir nämlich erst seit vier Tagen. Ich habe mein Einhorn gefunden. Es ist zugegebenermaßen nicht so schön, wie ich es mir immer erträumt hatte. Statt strahlend weiß schimmert es eher gelb-rötlich und abgemagert ist es obendrauf. Als ich erfahre, dass das Wundertier auch noch völlig unromantisch ‘Tequila’ heißt, knalle ich auf den Boden der Tatsachen. Die Realität kann manchmal so hart sein. Aber es kommt ja schließlich auf die inneren Werte an. Ich habe mein Einhorn gefunden und bin überglücklich. Julia kann ich schnell davon überzeugen, die Gegend reitend zu erkunden. Mein Herz überschlägt sich fast vor Freude, Julias vor Aufregung. Sie reitet erst zum zweiten Mal in ihrem Leben. Ihrem verschmitzten Grinsen kann man aber nach kürzester Zeit entnehmen, dass sich der anfängliche Respekt in reines Vergnügen verwandelt hat. Wir galoppieren den Berg hinauf, doch in Gedanken fliege ich auf meinem Einhorn davon.

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Bevor ich völlig abhebe und in abstrakte Traumwelten abschweife, machen wir einen Stopp. In der Tabakplantage des des Landwirts Umberto. Aufgrund seines Namens schießt mit sofort der einzig spanische Witz durch den Kopf, den ich im Repertoire habe. Witze in einem anderen Land zu erzählen ist ja immer ein wenig heikel, vor allem wenn sie unter die Gürtellinie gehen. Umberto hat aber glücklicherweise den selben Humor und lacht laut auf. Die Stimmung ist bestens.

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Umberto zeigt uns ein paar heimische Pflanzen. Dann sieht er meinen verwunderten Blick, während er uns ein Ananasgewächs zeigt. Ich  dachte, Ananas würden auf Bäumen wachsen, gestehe ich laut… In einer Welt, in der es Einhörner gibt, wachsen Ananas auch auf Bäumen. In der Realität sieht es aber so aus:

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Hättet ihr den Ananasstrauch erkannt? Wenn ja, habt ihr euch ein Früchtchen als Trophäe verdient oder eine der händisch hergestellten Zigarren, die uns Umberto anbietet.

Ein wenig später bekommen wir einen Spezial-Drink überreicht: Coco Dios. Grapefruits, Limetten, Kokosmilch und Honig serviert in einer Kokosnuss. Dazu kommt Ananassaft, den Umberto mit der Hand auspresst. Das sieht brachial aus. Ich dachte, so etwas könne nur Chuck Norris. Was für ein Tag! Ich habe heute mein Einhorn und Chuck Norris gefunden. Umberto rundet den Drink noch mit einem guten Schuss Rum ab, wodurch das RUMreiten durchs Valle de Viñales plötzlich eine ganz neue Bedeutung bekommt.

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Gut beschwipst geht’s weiter. Etwas später erreichen wir die Höhle ‘la cueva del silencio’, die Höhle der Stille. Schweren Herzens steige ich von ‘Tequila’ ab und wir wagen uns zum Höhleneingang. Es ist stockfinster. Wir sehen und hören nichts. Dann bekommen wir Taschenlampen in die Hand gedrückt oder besser gesagt, ein Pfund schwere, leuchtende Ziegelsteine. Durch den Lichtstrahl verwandelt sich die Dunkelkammer in ein erstaunliches Reich aus Stalagmiten und Stalagtiten. Wir schlängeln uns durch das Labyrinth aus Felsformationen bis wir irgendwann vor einem großen unterirdischen Wasserbecken stehen. ‘Banos naturales’, erklärt uns der Guide, ’17 km lang’. FKK ist in Kuba nicht gern gesehen, steht in unserem Reiseführer. Es ist aber keine Menschenseele weit und breit- außer unserem Führer, welchen die Idee eines spontanen Bades eher erheitert, als irritiert. Laut quietschend lassen wir uns ins Wasser plumpsen. Gut erfrischt kommen wir aus der Höhle zurück. Mein Einhorn wiehert. Ich schwing’ mich auf den Rücken des Tieres.

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Dann treten wir schon wieder den Heimweg an. Wir passieren freilaufende Ochsen, Pferde, Schweine und Palmen und genießen den Blick auf die uns umringenden Bergwände. Es weht ein herrlich frischer Wind. Es duftet nach Regen. Viel zu schnell verfliegt die Zeit. Insgesamt sind wir fast fünf Stunden unterwegs. Zu wenig, denke ich mir währenddessen, zu lange finde ich, als ich mich am nächsten Tag kaum bewegen kann. Zurück bleibt ein Ganzkörpermuskelkater und eine wunderbare Erinnerung an einen erlebnisreichen Tag.

Noch ein paar Eindrücke von Viñales

Showing 4 comments

  • Antonia

    Hi meine liebe Tochter! Das Mutterherz lacht voller stolz. Wie wunderar,nach einer langen zauberhaften Auftrittsnacht einen witzig spritzigen Blogeintrag zu lesen. Gratulation!! Antonia

  • Carmen

    Super Eintrag liebe Lea, das ist Lebensfreude pur und es macht super viel Spaß, deine tollen Fotos zu sehen und die Einträge zu lesen, hoffe es geht noch weiter ;) Toll gemacht! Carmen

  • Benno

    Da bekommt man gleich Fernweh, wenn man das liest! :)

  • ernesto

    Hola Lea

    A mi, me gusta mucho que te gustes mi pais.

    Ernseto

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