Back to the roots. Ein Monat ohne Internet und Handy

Wie selbstverständlich manche Dinge mit der Zeit werden, spüre ich hier schnell. Internet sei in Kuba Mangelware, erfahre ich schon vor der Abreise. So richtig glauben kann und will ich es nicht. Mit dem Handy und dem iPad im Gepäck steige ich in den Flieger, nur um zu lernen, dass die Internetabdeckung in Kuba ungefähr so ausgeprägt ist wie das Vorhandensein von Yucca, Guave und Malanga im deutschen Supermarkt. Das Titelbild ist trügerisch. Statt vor einem funktionierenden PC sitze ich hier nämlich in einer Kunstgallerie in Havanna.

Da auch mein Handy kein Netz findet, bin ich von der Außenwelt ziemlich abgeschottet. Das heißt: Radikalentzug von E-Mails, Facebook, Whatsapp.
Die Folge?
Eigentlich fehlt es mir gar nicht. Naja- gar nicht so sehr. Ok, ein bisschen schon, zumindest am Anfang.
Aber bereits nach kürzester Zeit empfinde ich es als äußerst angenehm. Statt in einem Moment der Ruhe das Handy aus der Tasche zu ziehen und wild darauf einzutippen, bleibt man plötzlich einfach sitzen und starrt vor sich hin. Das entspannt. Irgendwann nimmt man das Handy nicht mehr mit außer Haus. Denn plötzlich passiert darauf ja gar nichts mehr. Irgendwann empfinde ich es sogar als Geschenk, mal nur im Hier und Jetzt zu sein und von Zuhause gar nichts mitzubekommen.

Für 6 CUC pro Stunde (ungefähr 5,50 €) hätte man in den ganz edlen Hotels rein theoretisch Internetzugang, aber da ist mit langen Warteschlangen und Verbindungsproblemen zu rechnen. Wir beschließen, den ganzem Urlaub darauf zu verzichten. Ein Monat ohne Internet und Handy. Zugegebenermaßen eine Challenge. Aber eine schöne.

Was wir daraus lernen:
Internet ist verdammt praktisch. Statt schnell die Busverbindung nachzuschauen oder ein Ticket zu buchen, rennen wir nun durch die halbe Stadt zum Informationsschalter. Treffen mit anderem Reisenden müssen genau vorausgeplant werden, denn man hat keine Möglichkeit, sich schnell zu texten. Um das Wetter für den nächsten Tag zu erfahren, müssen wir auf die Nachrichten um 20 Uhr warten. Und die Studenten arbeiten in der Bibliothek noch mit einem manuellen Katalogverfahren. Ja, alles ein bisschen umständlicher hier.

Was wir aber auch merken:
Trotz der Unannehmlichkeiten liegt ein Zauber in der Enttechnologisierung. Back to the roots. Es geht auch ohne. Ziemlich gut sogar. Zumindest wir genießen den technischen Rückschritt, wissen wir doch, dass uns zuhause wieder eine Glasfaserleitung erwartet. Kein Internet zu haben ist für uns eine willkommene Abwechslung, die uns in absolute Urlaubsstimmung versetzt. Die Kubaner hingegen hätten gerne mehr von dem, von dem wir vielleicht zu viel haben. Wie so immer im Leben.

Alles in Allem brechen wir mit unserem Plan, ein Monat kein Internet zu nutzen, nach genau zwei Wochen. Es gibt ein Hotel mit super-WLAN. Ok. Diese eine Ausnahme machen wir, schreiben geschwind ein paar Nachrichten an Familie und Freunde und schon ist die einzige Stunde Internet im Monat vorbei. Und wir sind um hunderte Spam-Mails reicher. Wir stellen fest, noch einmal brauchen wir das nicht. Wir genießen Kuba lieber so, wie es wirklich ist: technologisch hinter dem Mond und dadurch so charmant nostalgisch.

Statt in unterkühlten Hotellobbys zu sitzen, schwingen wir uns auf die nächste Pferdekutsche und fahren zum Strand. Ein Selfie am Meer, um Freunde neidisch zu machen? Brauchen wir eigentlich nicht! Können wir eh nicht verschicken. Dennoch haben wir welche gemacht. Wir lassen doch nichts anbrennen…

Alles in allem sind wir nun vielleicht ein bisschen weniger handy-fiziert als vor der Reise. Mal sehen, wie lange es anhält, bevor der Alltagstrott uns wieder mitreißt und uns stundenlang in unsere Handys glotzen lässt.

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Comments

  • ernesto

    Estimada Lea,

    me gustan tus palabras,
    pero en Cuba,
    nosotros queremos haber un poco mas acesso al internet.

    Ernesto

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