Ein Tag wie Robinson Crusoe. ‘Just in case, we will survive’

‘Weiße Sandstrände, ach was sag ich, feiner als Sand noch, was euch dort erwartet ist reinster Korallenstaub.’ Vielversprechende Worte von anderen Reisenden. Die Rede ist von den Cayerias del Norte, einer Inselgruppe nördlich von Remedios. Na wenn das so ist, denken wir, müssen wir dort hin, haben wir uns doch zum Ziel gesetzt Kubas schönsten Strand zu finden. Mit den Stränden Playa de Jutia in der Nähe von Vinales, Playa Larga in der Schweinebucht, dem Strand Rancho Luna bei Cienfuegos und dem Strand Playa Ancon bei Trinidad haben wir schon einige der kubanischen Perlen abgeklappert. Kann es noch schöner werden? Wir müssen es herausfinden!

Nachdem wir in uns in der Che Guevara Stadt Santa Clara der kubanischen Geschichte gewidmet haben, ist uns nun wieder nach Entspannung. Viva la Revolución! Unsere Strand-Revolución! Gut gelaunt lassen wir uns in einer einstündigen Moto-Taxi-Fahrt nach Remedios kutschieren, der Ausgangspunkt für unseren Ausflug zu den Cayerias del Norte.

Wie man sieht, sind wir warm eingepackt. Aufgrund des Wetters geraten auch unsere Strandpläne zunächst ein wenig ins Wanken. Es ist Februar. Das heißt tiefster kubanischer Winter. So kalt sei es seit Jahren nicht mehr gewesen, versichern uns die Einheimischen. Wir finden das amüsant. 18 Grad und etwas Wind ist zwar fürs Baden suboptimal aber unter richtig kalt verstehen wir immer noch etwas anders. Am nächsten morgen meint es der Wettergott dennoch gut mit uns und beschert uns einige warme Sonnenstunden. Schon sitzen wir im Taxi. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es zu den Cayerias del Norte nämlich nicht. Der Taxifahrer meint, er wüsste einen wirklich schönen Platz. Cayo las Brujas. Wir sind für alles offen. Mit im Gepäck haben wir eine Isländerin und zwei Brasilianerinnen. Das wird ein richtiger Mädelstag! Der Tag startet gut. Zu den Inseln führt eine 60 Kilometer lange Straße direkt durchs Meer. In 12 Jahre langer Arbeit wurde eine schmale Insel aufgeschüttet und zwar nur für diese Straße.

Fahrt ins Blaue bekommt hier eine ganz neue Bedeutung. Rechts, links-überall Meer. Nur geradeaus ist eine geteerte Straße. Jesus geht übers Wasser, wir fahren. Wir grinsen.

Plötzlich stoppt der Taxifahrer. Eine Kontrollstation mitten im Nirgendwo zwischen Meer und Straße. Streng dreinblickende Beamte wollen unsere Reisepässe sehen. Passkontrolle um zum Strand zu kommen? Ist das ihr Ernst oder handelt es sich um reine Beschäftigungstherapie? Zur Sicherheit auf der Insel, erklärt der Taxifahrer und für Statistiken, wie viele Leute die Inseln besuchen. Andere Länder, andere Sitten. Schon bald geht es weiter.

Der Taxifahrer liefert uns am Strand Cayo las Brujas ab- mitten im Nirgendwo und überlässt uns für den restlichen Tag unserem eigenen Schicksal. Wir sind an einem menschenleeren Strand, vor uns ist nur azurblaues Wasser. Nicht einmal in einem Bilderbuch könnte es schöner sein. An der Küste gegenüber sieht man in der Ferne einige Krans und Rohbauten. Hier werden in naher Zukunft bunkerartige All-Inklusive Ressorts stehen, betonierte Megakomplexe. Das tut fast im Herzen weh. Doch wo es schön ist, ist auch der Tourismus nicht weit. Das ist verständlich, trotzdem freuen wir uns, dieses Fleckchen Erde an diesem Tag noch für uns alleine zu haben. In wenigen Jahren wird hier vielleicht eine Mojito-Bar neben der anderen zu finden sein.

Korallenstaub, Muscheln, Palmen mit Kokosnüssen… Was für ein friedliches Plätzchen. Ich blicke hinaus aufs weite Meer. Es ist einer dieser Momente, in welchen ich Zeit und Raum vergesse und mich völlig auf das Hier uns Jetzt einlassen kann. Das Meer rauscht sanft, eine leichte Brise Wind lässt die Palmenblätter tanzen. Ich schließe die Augen und folge den Geräuschen. Alles wirkt plötzlich so weit weg. Das vergangene Studium, das Zuhause, die Zukunftspläne. Ich sitze hier, ganz still und nehme nur die Umgebung um mich herum wahr. Sie verändert sich. Nach und nach ebbt das Meer ein wenig ab, es zieht sich zurück. Die Sonne steht nun nicht mehr im Zenit. Sie bereitet sich darauf vor, bald im Meer zu versinken. Der Kopf fühlt sich leer an und eine innige Freude und Lebendigkeit macht sich in mir breit. Jegliches Zeitgefühl entweicht mir. Ich stehe auf, nehme zur Erfrischung ein kurzes Bad und genieße den meditativen Zustand des Einfach-Seins. Plötzlich reißt mich ein Gelächter aus der Trance. Julia und Hekla, die Isländerin, haben eine Kokosnuss von einer Palme geangelt und versuchen, diese mit einem Taschenmesser zu öffnen. Zu meinem Erstaunen schaffen sie es. Der Saft spritzt in alle Richtungen. Beide nehmen ein Schlückchen und halten mir die Kokosnuss vor die Nase. So musste sich Robinson Crusoe gefühlt haben… Julias Augen schweifen über den menschenleeren Strand, sie nickt zufrieden und meint: ‚Just in Case, we will survive.’

Ach ja, noch ein schönes, altmodisches PS zum Schluss…

PS: Cayo las Brujas ist für mich in der ‘Schönsten-Strand- Challenge’ ziemlich weit oben angesiedelt. Eine wirkliche Rangfolge zu machen wäre aber fast schade, da jeder Strand seine ganz besonderen Vorzüge hat. :-)

 

Showing 2 comments

  • Julia

    Ich will just zurück an den Strand mit dir :)

  • Travelling Unicorn

    Buch schon mal den Flug ;-) Bin bereit

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